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27.07.2016

Siemens: Megadeal mit Ägypten – Größter Auftrag der Firmengeschichte

Die maximale Anlagenverfügbarkeit von drei Gas- und Dampfturbinenkraftwerken soll mit BENNING’s Stromversorgungssystemen sichergestellt werden.

Im Jahr 2015 wurde ca. 190 km vor der Küste Ägyptens das Gasfeld Zohr entdeckt. Mit einer Ausdehnung von 100 Quadratkilometern und einem geschätzten Gasvolumen von mehr als 800 Milliarden Kubikmetern handelt es sich um das größte bisher entdeckte Gasfeld im Mittelmeer. Es wird geschätzt, dass es den ägyptischen Gasverbrauch mehr als 15 Jahre lang decken könnte.

Dem Land im Nord-Osten Afrikas fehlt es jedoch an Kraftwerken, um den hohen Energiebedarf der rasch wachsenden Bevölkerung zu decken und eine ausfallsichere Produktion der Fabriken zu gewährleisten. Das soll schon bald ein Ende haben. Um die Stromversorgung zukünftig sicherzustellen, hat die ägyptische Regierung grünes Licht für einen umfangreichen Ausbau der Kapazität zur Stromerzeugung gegeben.

Ausbau der Energiekapazität um mehr als 50 Prozent

Ein Vorhaben, für das man sich nach und nach kompetente Kooperationspartner aus Europa ins Boot holen möchte – u.a. auch die Erfahrung und das Know-how des Technologiekonzerns Siemens. Im Juni 2015 hat dieser beim Deutschland-Besuch des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah El-Sisi einen „Megadeal“, den bis dahin größten Einzelauftrag in der Firmengeschichte, unterzeichnet. Für eine Summe in Höhe von ca. acht Milliarden Euro soll das deutsche Unternehmen bis Ende 2018 dafür sorgen, dass die Energieerzeugung Ägyptens um mehr als 50 Prozent im Vergleich zur aktuell installierten Kapazität ausgebaut wird. Der Auftrag umfasst u.a. den Bau von drei Gas- und Dampfturbinen(GuD-)kraftwerken und zwölf Windparks, bestehend aus 600 Windkraftanlagen samt Rotoren. Diese sollen sowohl am Golf von Suez als auch in der westlichen Nil-Region entstehen.

Hoher Wirkungsgrad mithilfe des GuD-Prinzips

Um bei der Installation der Gaskraftwerke einen höheren Wirkungsgrad zu erreichen als z.B. bei konventionell befeuerten Dampfkraftwerken, entschloss sich Siemens für das Prinzip von erdgasbefeuerten Gas- und-Dampf-Kombikraftwerken (GuD-Kraftwerke genannt). Eine Gasturbine wird hierbei als Wärmequelle für einen nachgeschalteten Abhitzekessel (AHK) eingesetzt, der als Dampferzeuger für die Dampfturbine fungiert. Diese Kombination ermöglicht eine sehr gute Verwertung der Brennstoffe, sodass rund 60 Prozent der eingesetzten Energie in Strom umgewandelt werden kann. Zum Vergleich: Bei herkömmlichen Wärmekraftwerken liegt der Wirkungsgrad zumeist bei maximal 35 – 40 Prozent. Des Weiteren sind GuD-Kraftwerke an relativ kurze Bauzeiten gebunden und haben eine sehr hohe Betriebsflexibilität.

Maximale Anlagenverfügbarkeit als zentrale Voraussetzung

Die Ausstattung der Kraftwerke setzt sich u.a. aus einer anspruchsvollen Leitstand-, Informations- und Datentechnik zusammen. Diese ist für die Steuerung und Regelung verschiedener prozesskritischer Bereiche zuständig. Daher erfordert sie eine vom öffentlichen Netz unabhängige, zuverlässige Stromversorgung, welche in batteriegesicherter Ausführung vorliegen sollte. Anderenfalls drohen Betriebsunterbrechungen, verbunden mit erheblichen wirtschaftlichen Verlusten – angefangen bei Schäden an der im Kraftwerk eingesetzten Leittechnik (Messwerte-Aufnehmer, Sensoren etc.) bis hin zu kapitalen Schäden am Turbinenstrang (Motoren, Pumpen etc.).
Um Szenarien wie diese zu vermeiden, machte sich Siemens unmittelbar nach der Auftragserteilung auf die Suche nach einem Geschäftspartner, der bezüglich der Entwicklung und Installation zuverlässiger, hochverfügbarer Stromversorgungssysteme über eine große Erfahrung verfügt.
Eine Anforderung, der BENNING voll und ganz gerecht wird. Das Unternehmen entwickelt und produziert bereits seit mehr als 50 Jahren ein umfangreiches Programm von AC- und DC-Stromversorgungen für konventionelle Kraftwerke und Kernkraftwerke. Aufgrund dieses Erfahrungsschatzes und der jahrelangen partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Siemens wurde BENNING zur Angebotsabgabe eingeladen. Die Sicherung des Auftrages erfolgte dann im Rahmen einer Online-Auktion, wo man sich gegen eine Vielzahl von Mitbewerbern durchsetzen konnte.

Bereitstellung von 110 Stromversorgungssystemen

BENNING stellt Siemens insgesamt 110 AC- und DC-Stromversorgungssysteme bereit, die sich bestens für die sichere Notstromversorgung aller Lasten, welche in einem Kraftwerk versorgt werden müssen, eignen. Sie alle haben sich in der Vergangenheit als außerordentlich zuverlässige und sehr wirtschaftliche Systeme bewährt. Hierzu zählen 56 Gleichrichtersysteme der robusten Industriegleichrichter-Baureihe THYROTRONIC. Hinzu kommen vier dreiphasige Wechselrichtersyteme der Reihe INVERTRONIC sowie 48 TEBECHOP-Gleichspannungswandler, die sich durch hohe Wirkungsgrade und eine kurze MTTR (Mean Time To Repair) auszeichnen. Darüber hinaus ermöglichen sie eine interne Erstintervention direkt vor Ort.
Alle genannten Stromversorgungssysteme sollen dafür sorgen, dass die drei GuD-Kraftwerke an den Standorten Al Burullus, Beni Suef und New Capital über viele Jahre hinweg störungsfrei betrieben werden können. Sie übernehmen u.a. die Absicherung der Leitstandtechnik oder verschiedener betriebskritischer Vorgänge – beispielsweise die Funktionsfähigkeit der Pumpen, welche die Lager der Turbinen schmieren. Fällt aufgrund eines Stromausfalls mal eine Turbine aus, dreht sich diese trotzdem noch einige Zeit weiter. Wird währenddessen jedoch kein Öl nachgepumpt, würde der Ölfilm abreißen und ein Lagerschaden mit enormen Kosten auftreten. In diesem Fall sorgt aber eine immer verfügbare Notpumpe für die notwendige Schmierung der Lager.

Abschluss des Projektes für März 2017 vorgesehen

Die Auslieferung der Systeme begann im Februar dieses Jahres, also knapp ein Jahr nach Unterzeichnung des Kooperationsvertrages. Mit der technischen Planung begann BENNING Mitte 2015 – die Vorlaufzeit betrug etwa zwei bis drei Monate.
Der Abschluss des Projektes ist für März 2017 vorgesehen. Ab dann sollen alle 110 Systeme ihren Beitrag dazu leisten, dass dem ägyptischen Stromnetz mittels der drei neuen GuD-Kraftwerke nach dem Endausbau zusätzliche 14,4 Gigawatt zugeführt werden. Dem von der ägyptischen Regierung vorgegebenen Ziel, die Energiekapazität Ägyptens um mehr als die Hälfte auszubauen, wäre man somit einen großen Schritt näher gekommen.

Weitere Informationen

Autor/Kontakt: Ulrich Borkers
Telefon: +49 2871 / 93 389
E-mail: u.borkers@benning.de

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